Wiesn-Tagebuch 2017

Täglich exklusiv im Münchner Merkur: Das Wiesn-Tagebuch von Stephan Kuffler

Die Wiesn-Tagebücher der letzten Jahre finden Sie hier:
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Weinzelt


23.09.20107 Samstag

Es gibt drei Traditionen rund um das Oktoberfest, die sich hartnäckig jedes Jahr wiederholen und nicht wegzudenken sind.
Erstens: Sobald der Bierpreis veröffentlicht ist, wird gegrantelt und geschimpft, was das Zeug hält.
Zweitens: In der ersten Festwoche schauen alle Besucher mitleidvoll den Wiesnwirt an und meinen, es sei schon ein bisserl ruhiger als im Vorjahr.
Drittens: In der zweiten Woche des Oktoberfests beschwert sich jedermann, die Zelte seien alle zu voll, man käme nirgends mehr rein und überhaupt sei die Wiesn früher viel gemütlicher gewesen.
Zu letzterem fällt mir die Geschichte der politisierenden Stammtischbrüder ein: „Früher war alles besser." Der andere kontert, dass die Leute heute doch viel älter würden. Darauf der erste wieder: „Die sind ja auch von früher."

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kuffler


22.09.2017 Freitag

Nicht nur in unserem Zelt gehen erzählenswerte Dinge vor sich. Ein Wiesnschandi (Polizist der Oktoberfestwache - Anmerkung der Redaktion für außerbayerische Leser) stand vor einem Rätsel. Nach Feierabend war das ganze Bierzelt leer, nur eine Dame saß an ihrem Platz und weigerte sich standhaft, den Anweisungen der Ordner Folge zu leisten, die Festhalle zu verlassen. Sie schien recht verzweifelt zu sein und war offensichtlich mit der Gesamtsituation unzufrieden. Auf Nachfrage des Polizisten hin meinte sie, das Überflugverbot sei ihr Problem. Warum? Weil sie eigentlich von einem UFO abgeholt werden solle, welches nun nicht landen könne. Der Gendarm gab vor, eindringlich zu telefonieren, fragte sie aber vorher, wieviel Zeit sie benötige. Anschließend erklärte er der Dame, er habe nun für einen Slot von 10 Minuten gesorgt und das UFO könne problemlos landen. Die Dame stand kommentarlos auf und verließ das Zelt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Oktoberfest München


21.09.2017 Donnerstag


Das erste, was ich in der Früh mache, ist aus dem Fenster zu schauen um das Wetter zu prüfen. Selten hat es so wenig mit der Vorhersage zu tun gehabt, wie auf dieser Wiesn. Da kam mir spontan eine Theorie: Ich vermute, dass man in Frankreich Froschschenkel nicht wegen des Geschmacks, sondern aus einer nationalen Wut heraus auf die Wetterfrösche zu verspeisen pflegt. Man stelle sich vor, auf dem Oktoberfest würde man sich der Arbeitsweise der Meteorologie befleißigen. „Heute bekommen Sie Ihr Wiesnhendl mit einer 70prozentigen Wahrscheinlichkeit". Und wenn nicht? „Dann gibt's einen Zwetschgendatschi und der muss trotzdem gegessen werden."
Zur Ehrenrettung muss ich allerdings einräumen, dass die Bewegungen in Wolken hochkomplex sind. Offensichtlich gibt es noch keine Computer, die zu solchen Rechenleistungen in angemessener Zeit fähig sind. Vielleicht sollte man sich derweil, bis das möglich ist, mit einer Wetternachbesprechung begnügen.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Weinzelt Küche


20.09.2017 Mittwoch

Im Weinzelt arbeiten rund 300 Menschen zum Wohle unserer Gäste. Natürlich sehen wir es als unsere Aufgabe, unser Team auch entsprechend zu verwöhnen. Man hat auf der Wiesn natürlich nicht immer die Ruhe für ein ausgedehntes Mahl, aber wir tun unser Bestes. Für morgen wird Karol aus Ungarn das Personalessen kochen. Mit schönstem ungarischen Akzent erklärte er mir eben, es gäbe eine ungarische „Späzialidäd" in Form eines Hahneiergulaschs. Es ist mir völlig neu, dass Hähne Eier legen und Karol hat bestätigt, dass sie das in Ungarn auch nicht tun. Obwohl ich die Frage mehrfach umformulierte, gelang es mir nicht, der Sache auf den Grund zu kommen. Es bleibt dabei. Gockel legen keine Eier, aber morgen gibt's ein Hahneiergulasch. Ich habe mir vorgenommen, die Angelegenheit nicht aus dem Auge zu verlieren. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Als Trend wird sich ein Gericht dieses Namens nicht durchsetzen, gleich was dahintersteckt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


19.09.2017 Dienstag

Einer unserer Gäste beschwerte sich bitterlich, in vollem Ernst und eigentlich auch ein bisserl persönlich beleidigt darüber, dass unsere Klimaanlage zu kühl gestellt sei. Am späten Abend bei gut gefülltem Zelt meinte eine Dame, wir könnten die Heizung jetzt dann ausschalten. Ich denke, es ist höchste Zeit mit ein paar Wanderlegenden aufräumen: Festzelte auf der Wiesn haben keine Heizung und schon gar keine Klimaanlage! Der Generator für Kufflers Weinzelt müsste wahrscheinlich mindestens so groß sein wie das Café Kaiserschmarrn. Im speziellen Fall der Dame konnte ich ohnehin nicht verstehen, warum ihr so warm war. Sie trug eines dieser neumodischen Dirndl ohne Bluse, dafür mit angenähtem Blusenkragen. Sonderbar, aber sicherlich eine praktische Erfindung, wenn man nach diversen Wiesnbesuchen eventuell nicht mehr weiß, wo man die einzelnen Klamotten gelassen hat.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

Kufflers Weinzelt - Garten


18.09.2017 Montag


Am Samstag schrieb ich noch, wie schön es sei, alte Bekannte zu treffen und neue Bekanntschaften zu schließen. Über wen ich mich immer besonders freue, ist Mehmet Scholl, Exfußballer, dann Trainer, Moderator und Gründer des Musiklabels Millaphon Records. Tiefenentspannt, vor Witz und guter Laune sprühend, habe ich ihn mit seinem Bruder im Weinzeltgarten entdeckt. Wir sprachen über alte Zeiten und neue Pläne, wobei keine zwei Sätze vergingen, ohne dass er mich durch den Kakao zog oder über sich selbst eine Zote rausließ. Einer der ganz Großen, der auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere nie abhob. Zu dieser Zeit hat man ihn abends bei strömendem Regen einmal nicht ins Weinzelt gelassen. Er kam damals mit seinem spitzbübischen Grinsen zu mir: „Stephan, die kennen mich dort alle nicht und ich weiß, ich bin spät dran. Meinst Du, ich dürfte trotzdem noch rein?" Da haben sich schon viel kleinere Lichter ganz anders benommen, wenn sie nicht in vollem Ornat hofiert wurden, aber wahre Größe zeigt sich eben anders.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

picture-takery.com

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16.09.2017 Samstag


Was mir an der Wiesn besondere Freude bereitet, sind die vielen netten Menschen, welche man täglich trifft und kennenlernt. Dank dem Münchner Merkur hat das heuer schon früher angefangen. Im Rahmen der Vorberichterstattung gab es einen besonders netten Artikel über meine Leidenschaft, die Fotografie (www.picture-takery.com). Hier finde ich Entspannung, insbesondere im Umgang mit Messsucherkameras. Netterweise bekam ich nach Veröffentlichung des Artikels auch Zuspruch von einigen Lesern. Besonders sympathische Zeilen fand Dieter G. aus Grainau und so habe ich ihn spontan ins Weinzelt eingeladen, um bei einem Schoppen ein bisserl zu fachsimpeln. Auf diese Art hat der beste Teil des Oktoberfestes, das Kennenlernen interessanter Menschen, schon vorher angefangen. Ich freue mich auf viele weitere.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

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