Wiesn-Tagebuch 2017

Täglich exklusiv im Münchner Merkur: Das Wiesn-Tagebuch von Stephan Kuffler

Die Wiesn-Tagebücher der letzten Jahre finden Sie hier:
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Kufflers Weinzelt


02.10.2017 Montag

Morgen fällt der Vorhang zum letzten Mal für dieses Jahr, und ich glaube, das ist dann auch gut so. Natürlich werde ich die Wiesn vermissen, aber es gibt unverkennbare Anzeichen, dass mein Gesamtorganismus reif ist für eine Pause. Ich rede nicht nur von Rücken und Beinen. Insbesondere die Festplatte benötigt einen Reset. Heute wollte ich schon einem Gast die Zigarette mit Nasenspray anzünden. Mein Hirn hat einfach zu langsam geschalten, aber der Gesichtsausdruck nach dem Sprühstoß half mir auf die Sprünge. Auch freue ich mich schon darauf, wenn ich die Leute, welche ich begrüße, tatsächlich alle kenne beziehungsweise erkenne. Wir Männer tun uns damit ja von Haus aus ein wenig schwerer.
Ein herzliches Dankeschön geht natürlich an Sie, die Leser meines Tagebuches, von denen ich immer wieder Zuspruch und freundliche Worte erhalten habe. Und so verbleibe ich, bis nächstes Jahr, wenn es vielleicht wieder heißt:

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt auf dem Münchner Oktoberfest


30.09.2017 Samstag

Nur noch drei Tage und der Rest von heute. Jedes Jahr fragt man sich aufs neue, wo die Zeit geblieben ist und wie es sein kann, dass sie immer noch schneller verfliegt. Die Wiesn hat doch gerade erst angefangen, dauert aber gefühlt schon das halbe Leben. Dieses Paradoxon aufzuklären, überlasse ich lieber gescheiteren Leuten. Aber wir sollten uns langsam wieder auf ein Leben nach der Wiesn einstellen. Was zieht man in der Früh an, wenn nicht die Lederhosen und ein kariertes Hemd? Kann ich unsere Gäste im Seehaus auch mit „servus Oida, wia laft's" begrüßen? Gibt es im Stadtbüro um 16 Uhr auch einen traditionellen Kräuterschnaps zur Vorbereitung auf das Abendgeschäft, wie hier im Ofenkartoffelstand? Fragen über Fragen; Doch zunächst starten wir noch einmal richtig durch und genießen die letzten Tage unserer geliebten Wiesn in vollen Zügen. Und am Montag heißt es dann für heuer zum letzten Mal:

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Oktoberfest München


29.09.2017 Freitag

Manchmal geht auch etwas schief bei uns im Weinzelt. Wir haben einen relativ hohen Organisationsgrad im Hinblick auf Struktur und Technik. Doch gerade die Technisierung streut ab und an Sand ins Getriebe. Wenn um 0.30 Uhr die Musik das letzte Lied gespielt hat, reißen wir alle Türen auf und stellen das Licht auf gleißend hell. Immerhin haben wir dann gerade mal eine halbe Stunde, das Zelt komplett zu räumen. Das ist nicht viel Zeit, aber die Konzession lässt keinen Spielraum. Wir schaffen das jeden Abend, nicht zuletzt dank dem Zutun unserer Gäste. Das Licht wird hochmodern per Computer via Touchscreen gelenkt. Thomas, unser Stellvertreter, fühlte sich kürzlich berufen, erstmals das Licht um halbeins persönlich hochzudrehen. Zack – das ganze Weinzelt versank in tiefster Finsternis, Gäste grölten und alle tappten im Dunkeln. Thomas tippte wild und nahe einem Nervenzusammenbruch auf dem Tableau herum, bis das Licht endlich wieder an war: „Das mit dem Licht mache ich nie wieder!"

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt Aussenansicht


28.09.20017 Donnerstag

Dies ist ein Aufruf. Kürzlich hat mich eine sehr freundliche Taxifahrerin auf die Wiesn gefahren. Wir unterhielten uns kurz und ich führte geschäftlich ein paar Telefonate, bevor mich der Trubel auf der Wiesn wieder einfangen sollte. Alles war gut und die Fahrt verlief ohne erwähnenswerte Zwischenfälle. Als wir am Festgelände ankamen, wollte ich zahlen und da fing es an, richtig peinlich zu werden. Ich trug eine andere Lederhose als am Vortag, was grundsätzlich kein Problem darstellt. Einzig meine Brieftasche befand sich immer noch zuhause in der Hosentasche. Keinen müden Cent hatte ich dabei, auch keinen Ausweis oder Visitenkarte. Ich bot der Taxlerin an, ins Zelt zu rennen und das nötige Bargeld beizubringen. Sie blieb unglaublich gelassen und meinte, sie käme demnächst vorbei, was bislang nicht geschah. Ich habe ein furchtbar schlechtes Gewissen. Deshalb biete ich Ihnen gerne an, sich auch per Email an mich zu wenden, damit wir die Sache aus der Welt schaffen können: direkt@kuffler.de.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt Brotzeit


27.09.2017 Mittwoch

Immer wieder kommt man auf die guten alten Zeiten zu sprechen und schwelgt in der Vergangenheit. Heute lachen wir über vieles, das man in dem Moment überhaupt nicht lustig fand. Ich möchte hier ein Beispiel nennen für alle, die nicht wissen, was eine Irische Wiesnbowle ist. In den achtziger Jahren hatten wir in der Spülküche und an den Grills vornehmlich Mitarbeiter aus Irland, darunter viele Studenten. Irgendwann begannen wir uns zu wundern, was in den Eimern war, die regelmäßig aus der Spülküche in den Wirtschaftshof wanderten. „It is an Irish punch", lautete prompt die Antwort. Nun, wir kennen Irischen Whiskey und Irish Coffee, aber die Spezialität einer Irischen Bowle war an uns vorbeigegangen. Unsere Nachforschungen ergaben dann, dass die Spüler alle Flaschen, welche zurückkamen, noch des letzten Tropfens beraubten und diese in den besagten Eimern sammelten. Nach Dienstschluss wurde Würfeleis hinzugefügt und einem heiteren Feierabend stand nichts mehr im Wege. Prost!

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Badeente


26.09.2017 Dienstag

Am Sonntag hatten wir die heftigsten Niederschläge, an die ich mich während der Wiesn erinnern kann. Hinter uns auf der Oiden Wiesn fuhr der Blitz unter brachialem Getön in einen Blitzableiter und die kurzfristig geballte Elektrizität hatte ihre Folgen für uns: Die großen Dachfenster beschlossen, es sei nun der beste Moment aufzugehen und unsere Gäste mit himmlischen Erfrischungen ungefragt zu beglücken.
Auch die anderen Zelte hat es natürlich erwischt.
Beim Schottenhamel flutete das Wasser den Niagarafällen gleich durch die Abluftanlagen in die Küche auf den Herdblock. Ob die Soße vom Schweinsbraten hernach etwas dünner war?
Im Löwenbräuzelt stand das Wasser kurzfristig knöcheltief. So tief, dass ein Scherzbold eine Badeente den Gang hinabschwimmen ließ. Ich habe es mit eigenen Augen auf dem Video einer Bedienung gesehen.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Johanna & Christian Schottenhamel


25.09.2017 Montag

Wie immer am mittleren Festsonntag trafen sich die Wiesnwirte unter der Bavaria und ließen ihre Musiker zum großen Platzkonzert aller Oktoberfest-Kapellen aufspielen. Eingeladen sind natürlich die führenden Vertreter der Landeshauptstadt sowie alle wichtigen Behörden und Brauereivertreter. Sehr fesch sah unsere Polizei aus, heuer alle in der neuen blauen Uniform. Da ich mir keine Gelegenheit entgehen lasse, eifrig Fotos zu machen, hatte ich meine Kamera selbstredend am Mann. Und so kam ich zu einem der seltensten Artefakte, welches die Wiesn zu bieten hat. Christian Schottenhamel bat mich, ein Bild von ihm und seiner Frau Johanna zu machen oder ob ich nur künstlerisch wertvolle Fotos aufnähme. Alles eine Frage des Preises, gab ich zurück. Da zückte der Christian im Affekt eine Freibiermarke für sein Zelt. Ich bin so stolz! Wiggerl Hagn meinte schon vor Jahren, die Freibiermarke vom Schottenhamel sei wertvoller als die Blaue Mauritius, vermutlich weil seltener.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Weinzelt


23.09.20107 Samstag

Es gibt drei Traditionen rund um das Oktoberfest, die sich hartnäckig jedes Jahr wiederholen und nicht wegzudenken sind.
Erstens: Sobald der Bierpreis veröffentlicht ist, wird gegrantelt und geschimpft, was das Zeug hält.
Zweitens: In der ersten Festwoche schauen alle Besucher mitleidvoll den Wiesnwirt an und meinen, es sei schon ein bisserl ruhiger als im Vorjahr.
Drittens: In der zweiten Woche des Oktoberfests beschwert sich jedermann, die Zelte seien alle zu voll, man käme nirgends mehr rein und überhaupt sei die Wiesn früher viel gemütlicher gewesen.
Zu letzterem fällt mir die Geschichte der politisierenden Stammtischbrüder ein: „Früher war alles besser." Der andere kontert, dass die Leute heute doch viel älter würden. Darauf der erste wieder: „Die sind ja auch von früher."

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kuffler


22.09.2017 Freitag

Nicht nur in unserem Zelt gehen erzählenswerte Dinge vor sich. Ein Wiesnschandi (Polizist der Oktoberfestwache - Anmerkung der Redaktion für außerbayerische Leser) stand vor einem Rätsel. Nach Feierabend war das ganze Bierzelt leer, nur eine Dame saß an ihrem Platz und weigerte sich standhaft, den Anweisungen der Ordner Folge zu leisten, die Festhalle zu verlassen. Sie schien recht verzweifelt zu sein und war offensichtlich mit der Gesamtsituation unzufrieden. Auf Nachfrage des Polizisten hin meinte sie, das Überflugverbot sei ihr Problem. Warum? Weil sie eigentlich von einem UFO abgeholt werden solle, welches nun nicht landen könne. Der Gendarm gab vor, eindringlich zu telefonieren, fragte sie aber vorher, wieviel Zeit sie benötige. Anschließend erklärte er der Dame, er habe nun für einen Slot von 10 Minuten gesorgt und das UFO könne problemlos landen. Die Dame stand kommentarlos auf und verließ das Zelt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Oktoberfest München


21.09.2017 Donnerstag


Das erste, was ich in der Früh mache, ist aus dem Fenster zu schauen um das Wetter zu prüfen. Selten hat es so wenig mit der Vorhersage zu tun gehabt, wie auf dieser Wiesn. Da kam mir spontan eine Theorie: Ich vermute, dass man in Frankreich Froschschenkel nicht wegen des Geschmacks, sondern aus einer nationalen Wut heraus auf die Wetterfrösche zu verspeisen pflegt. Man stelle sich vor, auf dem Oktoberfest würde man sich der Arbeitsweise der Meteorologie befleißigen. „Heute bekommen Sie Ihr Wiesnhendl mit einer 70prozentigen Wahrscheinlichkeit". Und wenn nicht? „Dann gibt's einen Zwetschgendatschi und der muss trotzdem gegessen werden."
Zur Ehrenrettung muss ich allerdings einräumen, dass die Bewegungen in Wolken hochkomplex sind. Offensichtlich gibt es noch keine Computer, die zu solchen Rechenleistungen in angemessener Zeit fähig sind. Vielleicht sollte man sich derweil, bis das möglich ist, mit einer Wetternachbesprechung begnügen.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Weinzelt Küche


20.09.2017 Mittwoch

Im Weinzelt arbeiten rund 300 Menschen zum Wohle unserer Gäste. Natürlich sehen wir es als unsere Aufgabe, unser Team auch entsprechend zu verwöhnen. Man hat auf der Wiesn natürlich nicht immer die Ruhe für ein ausgedehntes Mahl, aber wir tun unser Bestes. Für morgen wird Karol aus Ungarn das Personalessen kochen. Mit schönstem ungarischen Akzent erklärte er mir eben, es gäbe eine ungarische „Späzialidäd" in Form eines Hahneiergulaschs. Es ist mir völlig neu, dass Hähne Eier legen und Karol hat bestätigt, dass sie das in Ungarn auch nicht tun. Obwohl ich die Frage mehrfach umformulierte, gelang es mir nicht, der Sache auf den Grund zu kommen. Es bleibt dabei. Gockel legen keine Eier, aber morgen gibt's ein Hahneiergulasch. Ich habe mir vorgenommen, die Angelegenheit nicht aus dem Auge zu verlieren. Aber eines kann ich jetzt schon sagen: Als Trend wird sich ein Gericht dieses Namens nicht durchsetzen, gleich was dahintersteckt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


19.09.2017 Dienstag

Einer unserer Gäste beschwerte sich bitterlich, in vollem Ernst und eigentlich auch ein bisserl persönlich beleidigt darüber, dass unsere Klimaanlage zu kühl gestellt sei. Am späten Abend bei gut gefülltem Zelt meinte eine Dame, wir könnten die Heizung jetzt dann ausschalten. Ich denke, es ist höchste Zeit mit ein paar Wanderlegenden aufräumen: Festzelte auf der Wiesn haben keine Heizung und schon gar keine Klimaanlage! Der Generator für Kufflers Weinzelt müsste wahrscheinlich mindestens so groß sein wie das Café Kaiserschmarrn. Im speziellen Fall der Dame konnte ich ohnehin nicht verstehen, warum ihr so warm war. Sie trug eines dieser neumodischen Dirndl ohne Bluse, dafür mit angenähtem Blusenkragen. Sonderbar, aber sicherlich eine praktische Erfindung, wenn man nach diversen Wiesnbesuchen eventuell nicht mehr weiß, wo man die einzelnen Klamotten gelassen hat.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

Kufflers Weinzelt - Garten


18.09.2017 Montag


Am Samstag schrieb ich noch, wie schön es sei, alte Bekannte zu treffen und neue Bekanntschaften zu schließen. Über wen ich mich immer besonders freue, ist Mehmet Scholl, Exfußballer, dann Trainer, Moderator und Gründer des Musiklabels Millaphon Records. Tiefenentspannt, vor Witz und guter Laune sprühend, habe ich ihn mit seinem Bruder im Weinzeltgarten entdeckt. Wir sprachen über alte Zeiten und neue Pläne, wobei keine zwei Sätze vergingen, ohne dass er mich durch den Kakao zog oder über sich selbst eine Zote rausließ. Einer der ganz Großen, der auch auf dem Höhepunkt seiner Karriere nie abhob. Zu dieser Zeit hat man ihn abends bei strömendem Regen einmal nicht ins Weinzelt gelassen. Er kam damals mit seinem spitzbübischen Grinsen zu mir: „Stephan, die kennen mich dort alle nicht und ich weiß, ich bin spät dran. Meinst Du, ich dürfte trotzdem noch rein?" Da haben sich schon viel kleinere Lichter ganz anders benommen, wenn sie nicht in vollem Ornat hofiert wurden, aber wahre Größe zeigt sich eben anders.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

picture-takery.com

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16.09.2017 Samstag


Was mir an der Wiesn besondere Freude bereitet, sind die vielen netten Menschen, welche man täglich trifft und kennenlernt. Dank dem Münchner Merkur hat das heuer schon früher angefangen. Im Rahmen der Vorberichterstattung gab es einen besonders netten Artikel über meine Leidenschaft, die Fotografie (www.picture-takery.com). Hier finde ich Entspannung, insbesondere im Umgang mit Messsucherkameras. Netterweise bekam ich nach Veröffentlichung des Artikels auch Zuspruch von einigen Lesern. Besonders sympathische Zeilen fand Dieter G. aus Grainau und so habe ich ihn spontan ins Weinzelt eingeladen, um bei einem Schoppen ein bisserl zu fachsimpeln. Auf diese Art hat der beste Teil des Oktoberfestes, das Kennenlernen interessanter Menschen, schon vorher angefangen. Ich freue mich auf viele weitere.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.
 

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