Wiesn-Tagebuch

Täglich exklusiv im Münchner Merkur: Das Wiesn-Tagebuch von Stephan Kuffler

2008

3.10.2008
Gegen Ende der Wiesn werde ich häufig nach dem Resumee der vergangenen zwei Wochen gefragt. Wenn das Wochenende erwartungsgemäß verläuft, kann man durchaus von einem erfolgreichen Oktoberfest sprechen. Die lange Zeit intensiver Vorbereitungsarbeiten hat sich rentiert und fast alle Gäste waren glücklich – einen generellen Heilsanspruch haben wir zwischenzeitlich abgelegt. Allerdings steht mir der unangenehmste Tag auf der Festwiese noch bevor, der Montag danach. Gäste, Bedienungen, Köche, Musikanten alle sind sie weg. Wo eben noch heitere Stimmung herrschte, machen jetzt die Handwerker mein Zelt kaputt. Dafür sind es aber nur noch 348 Tage bis zu meinem Lieblingstag, dem Freitag vor der Wiesn, wenn die ganze Weinzeltfamilie wieder zusammen kommt und sich gegenseitig in die Arme fällt.
Auch möchte ich mich herzlich beim Münchner Merkur dafür bedanken, dass ich endlich einmal dazu gezwungen war, die besten Geschichten des Tages zu Papier zu bringen.
In diesem Sinne, bis zur nächsten Wiesn.

30.9.2008
Also das mit dem Dasein als Wiesnwirt hat auch alles seine Vor- und Nachteile. Heute war es eher ruhig, auch abends am Eingang nachdem alle anderen Türen geschlossen waren. Als ich gegen Mitternacht zu diesem letzten verbliebenen „Gate To Heaven" kam, stand nur noch eine Hand voll Nachtschwärmer davor, die man zu deren Selbstschutz nicht mehr guten Gewissens mit Alkohol konfrontieren konnte. Lustig waren sie trotzdem allemal und als sie meiner gewahr wurden, rief der Rottenführer: "Bist Du der Chef, der entscheiden kann, ob wir rein dürfen? Chef? Du Chef – ha? Chef?" Sein Assistent kommentierte meinen Auftritt mit den Worten: „Schaut scho' aus wia a Chef und g'wampert issa auch!" Pech kann ich da nur sagen, denn bis zum letzten Satz hätte ich die Jungs beinahe hereingebeten, aber auch ein Festwirt hat Gefühle.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

29.9.2008
Csaba ist die ungarische Komponente in Bauers Ofenkartoffelstand vor dem Weinzelt und heute ist Csaba stocksauer. Statt der fertig geschnittenen Kräutlein hat sein Chef den Schnittlauch heute bundweise bestellt und Csaba war damit beauftragt ihn klein zu schneiden. Bei dieser Menge eine echte Sisyphusaufgabe, die einem Strafdienst gleichkommt. Ich verstand natürlich, dass Schnittlauch im Bund erheblich günstiger ist, doch zu meiner Verwunderung war das gar nicht der Grund. Vielmehr brauchte Erich Bauer, Oberkartoffel und nebenbei bemerkt Burgenländer, die Gummis mit denen der Schnittlauch zusammen gehalten wird um Fünf Euro Scheine zu bündeln. Solche Gummis gibt es sonst auf der Wiesn nicht, meinte er laut lachend. Also schnippelte Csaba missmutig vor sich hin und löste Bund für Bund vor dem Schneiden auf, die übrigens mit Schüren zusammen gehalten wurden.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

28.9.2008
Fester Bestandteil des Oktoberfestkalenders ist das Standkonzert aller Oktoberfestkapellen am mittleren Sonntag unterhalb der Bavaria. Gesponsert von den Festwirten und übertragen vom Bayerischen Fernsehen erfreut sich das Spektakel hoher Beliebtheit. Auch zwei Kapellen des Weinzeltes waren mit von der Partie, namentlich die Sumpfkröten und die Blechblos'n. Von beiden kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ihnen der Schalk im Nacken sitzt. Die Weinzeltstandarte hat dieses Jahr erstmals mein alter Freund und Weinzelttürsteher Schorsch getragen, den ich nach Beendigung des Konzertes vor mir her in Richtung unserer Festhalle dirigierte. Ich kann nicht genau nachvollziehen, an welcher Stelle wir falsch abgebogen sind, aber plötzlich rief der Blechblos'n-Anderl: „Hoid, hoid, mir samma falsch!" Tatsächlich liefen wir nicht wie vorgesehen in der Gasse mit den anderen Musikanten und Wiesnwirten, sondern parallel dazu im Rücken der Zuseher. Die Lacher hatten wir einmal mehr auf unserer Seite, mussten uns aber auch der besorgten Frage eines BR Mitarbeiters stellen, der wissen wollte, ob das Weinzelt denn wirklich alles anders machen muss.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

27.9.2008
Es gibt sie also doch noch, jene Streithansl und Miesepeter, welche gut gelaunten Wiesnbesuchern die Stimmung verderben wollen. Ein Vertreter dieser Spezies war wohl der Meinung, Herr über alle Gänge zu sein, rempelte und fluchte, man möge ihm bloß nicht zu nahe kommen. Mein Hinweis, dies sei der falsche Ort, mindestens jedoch das falsche Zelt für diese Verhaltensweise ließ ihn unbeeindruckt. Vielmehr meinte er, alle anderen würden absichtlich ihre Schultern im Weg stehen lassen. Diese Fehleinschätzung ist auch als Geisterfahrersyndrom bekannt und nachdem alles gute Zureden nichts half, nahm ich ihn am Arm und führte ihn in Richtung Ausgang. Unangenehm war der Umfang des Oberarms, den ich mit zwei Händen gerade mal umfassen konnte. Dank zweier hilfreicher Ordner konnten wir den Herren allerdings ohne Probleme hinaus begleiten. Nur an der Tür, als er schon davor stand geschah etwas, das mir schon seit Jahren nicht mehr untergekommen ist. Plötzlich flog seine Faust durch den Türspalt auf mein Kinn zu! Sieg des Nüchternen über den Nichtnüchternen: Reflexartig zurück gezuckt spürte ich nurmehr ein leichtes Streicheln.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

25.9.2008
Täglich gegen 17.00 Uhr bin ich zu Gast bei Radio Gong in der Mike Thiel Show Spezial aus Kufflers Weinzelt. Heute war es besonders schön: Als ich ankam war gerade das Wiesnplaymate 2008, Alena Gerber, anwesend, die Mike gerade aufklärte, sie esse kein Fleisch außer Huhn. Für Mike war das die passende Überleitung zum einem gar lustigen Quiz, das er vorbereitet hatte. Alena wurden die Augen verbunden und nun musste sie die Speisen am Geschmack erkennen, mit welchen sie von Mike liebevoll gefüttert wurde. Zu meiner Verblüffung bekam sie als erstes ein Stück Wiener Schnitzel, das sie ganz gelassen kaute. Ihr Tipp war salziger Kaiserschmarrn, aber sie könne es nicht ganz zuordnen und letztlich sei ihr der Geschmack völlig unbekannt. Die Auflösung stieß erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe: „Was, Ihr gebt mir Fleisch?" Der Rest wurde in die Tonne gespuckt, wo übrigens auch der zweite Gang in Form roher Austern landete.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

24.9.2008
Radio Gong 96,3 sendet seit mehr als 10 Jahren aus dem Weinzelt und genau so lange gibt es auch den traditionellen Gong Stammtisch. Geschäftsführer Schorsch Dingler, versteht es hervorragend Geschäftspartner und Freunde in gelungener Melange zu vereinen. Im Gegensatz zu vielen Pflichtterminen der Promis, sieht man hier fast nur lachende und fröhliche Gestalten. Dies liegt sicherlich nicht zuletzt an Schorsch, der in seiner unnachahmlichen Art die Gäste mal feixend, mal mit brutalster Ehrlichkeit in Bezug auf Aussehen, Ansehen oder allgemeines Dasein begrüßt. Fröhlich war auch Roberto Blanco, den ich dank ausgefuchstester Technik mit Camera ohne Blitz für unsere Home Page (www.weinzelt.com) ablichten wollte: „Bist Du gemein", sagte er zu mir, „Du fotografierst mich ohne Blitz, da kann man mich in der Dunkelheit gar nicht mehr sehen. Der zweite Versuch einer Aufnahme mit Blitz ist auf unserer Home Page zu sehen – der Mann ist halt Profi und weiß, wie er in den Medien am besten herüber kommt.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

23.9.2008
Gottfried Zmeck, Tycoon des deutschen Schlagers und äußerst sympathischer Freund unseres Hauses, bittet alle Jahre die Crème de la Crème seiner Branche ins Weinzelt.
Als Hausherr ist es meine selbstgewollte Aufgabe, Herrn Zmeck und seine Gäste zu begrüßen. Und genau hier stoße ich an meine Grenzen. Natürlich heiße ich alle Gäste in unserem Zelt gleichermaßen willkommen, aber bekannten Persönlichkeiten sollte vermittelt werden, dass man um ihren Status weiß. Nun habe ich jedoch diese kleine Wortfindungsschwäche in Bezug auf Namen und muss selbst bei Freunden häufig meine Frau fragen: "Schatz, kennen wir den?" Nachdem ich gehört hatte, Peter Kraus, Held meiner Elterngeneration, sei anwesend, war es mir ein Bedürfnis, hallo zu sagen. Mann, war ich überrascht, dass Peter Kraus jetzt in Gebrauchtwagen macht! Ich hoffe innständig, der freundliche Autohändler bemerkte auf Grund meiner Verschleierungstaktik nicht, dass er mit dem großen deutschen Rock'n Roller des 20. Jahrhunderts verwechselt wurde.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

22.9.2008
Auch Wiesnwirte haben während des Oktoberfestes Musestunden. Reichlich davon gibt es immer am ersten Montag, ganz besonders bei Regen. Also habe ich mir einmal die Zeit genommen, Michi und seine Högl Fun Band von allen Seiten zu fotografieren. Dafür hat man an anderen Tagen am späteren Abend nämlich keine Zeit mehr. Ein paar dieser Fotos habe ich auch auf unsere Home Page, weinzelt.com, gestellt. Auch hat man an diesem ersten Wiesnmontag Zeit, mit dem einen oder anderen Mitarbeiter zu ratschen und sich über die High Lights des vergangenen Jahres auszutauschen. Besonders gut kann man immer mit meinen Freunden aus dem Burgenland lachen. Die Jungs betreiben den Ofenkartoffelstand vor unserem Zelt und zeichnen sich nicht nur durch dampfend heiße, köstliche Ofenkartoffeln aus, sondern auch durch einen unglaublichen Spitzbubenwitz. Dass sie für den Eigenkonsum Bier aus Österreich mitgebracht haben, sei ihnen verziehen.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

21.9.2008
Traditionell ist der erste Wiesnsonntag eher ruhig. Allerdings standen auf Grund irriger Meldungen, Pamela Anderson plane das Weinzelt zu besuchen, die Zeichen schon im Vorfeld auf Sturm. Dir, liebes Tagebuch, kann ich es ja sagen: Daran geglaubt habe ich nie. Gekommen ist jedoch der adoptionsmutierte Herr Markus Prinz von Anhalt (seit 1918 sind Adelstitel Namensbestandteil, weshalb ich in diesem speziellen Fall gerne die eigentlich unkorrekte Anrede gebrauche). Nach eigener Verlautbarung kam Prinz Markus als Ersatz für Pamela, was ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren möchte. Wie auch immer: Prinz kam, seine Security benahm sich verhaltensauffällig, Polizei kam und begleitete die „hoheitliche" Security vor die Zelttür, Prinz beleidigt, Prinz ging.
Schade eigentlich, sein Champagner blieb gut gekühlt zurück.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

20.9.2008
Das ist schon vollkommen verrückt: Irgendwie fehlen 349 Tage in meinem Leben, was ziemlich genau der Zeitspanne zwischen den beiden Wiesn 2007 und 2008 entspricht. Kaum sind die ersten Stunden des Oktoberfestes vergangen, hat man das Gefühl, nie weg gewesen zu sein. Ich muss allerdings gestehen, dass ich vor dem Anzapfen schon ein wenig Lampenfieber hatte, wie man bei Schauspielern sagt. Bei Wiesnwirten müsste es dann wohl Bierpanik heißen.
Unschön war heute das Erlebnis mit der netten Dame aus Köln, die bei seatwave.de über € 1.000,-- für drei Sitzplätze im Weinzelt bezahlt hatte, ohne eine Gegenleistung zu erhalten: Keine Verzehrgutscheine, keine Einlassbänder und eine Reservierung lag uns auch nicht vor. Zum Glück kam gerade mein Freund Charly von der Wiesnwache vorbei. Obwohl er schon Feierabend hatte, begleitete er, ganz Gentleman, die Ärmste zu seinen Kollegen auf die Polizeiinspektion und half ihr, Anzeige zu erstatten.
Schau ma mal, was morgen los ist.

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