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Weinzelt Weinzelt
Weinzelt

Täglich exclusiv im Münchner Merkur


Das Wiesn-Tagebuch von Stephan Kuffler


2009


01.10.2009 Donnerstag
Kurz vor Ende des Oktoberfestes habe ich noch einen neuen Job bekommen. Bislang war ich täglicher Interviewgast im gläsernen Wiesnstudio von Radio Gong im Weinzelt. Jetzt habe ich den Spieß umgedreht und laufe mit dem Mikrophon durch das Zelt um meine Mitarbeiter zu befragen. Das Motto lautet, Chefreporter schaut hinter die Kulissen. „Chefreporter“! Das war eine echte Blitzkarriere. Allerdings bin ich mit Ende der Wiesn auch schon wieder entlassen. Ich muss zugeben, dass es Spaß macht, weil es eine neue Herausforderung ist. Hinter die Kulissen komme ich problemlos, aber selbst schlagfertigste Witzbolde erweisen sich zuweilen als Mikrofonmuffel. Einige Panikschübe konnten gelindert werden, indem der knallrote Windschutz mit Radio Gong Logo entfernt wurde. Trotzdem gab es vereinzelt vollkommen unverständliche Sätze, bestehend aus willkürlich aneinandergereihten Worten. Dies könnte man kommende Wiesn zu einem Ratespiel mit dem Tenor ummünzen: „Was wollte uns der Mann damit sagen?“ oder „charmante Wirrköpfe erklären Einfaches bizarr.“ Aber noch ist diese Wiesn nicht vorbei und wir freuen uns auf den Endspurt.

30.09.2009 Mittwoch
Unvorstellbar, mit welcher Phantasie und Dreistigkeit manche Zeitgenossen ans Werk gehen, um Gerüchte in Umlauf zu setzen. Die führende Mitarbeiterin eines Festzeltes, die es jedoch definitiv nicht gibt, weiß von gefährlichen Funden, die es faktisch nie gab. Fast schon ein Klassiker ist das Märchen von der jungen Frau die einen Geldbeutel mit € 8.000,-- gefunden habe. Sie rief die Handynummer aus dieser Brieftasche an und traf einen sehr freundlichen Araber. Dieser riet ihr, bloß nicht mehr auf die Wiesn zu gehen. Wäre das wahr, würde da aber einer mal richtig Ärger mit seinem Chef bekommen, weil er so leichtfertig gepetzt hat! In einer Variante kam das Mädel aus Kiel, in einer anderen aus Erding und in der nächsten waren es sogar € 80.000,--. Ein weiteres Schmankerl aus der Gerüchteküche war das obskure Reihenmail, in welchem ein Mitarbeiter einer Sicherheitsbehörde namentlich zitiert wurde. Wenig später kam das entsetzte Dementi des Betreffenden, ebenfalls per Reihenmail. All das waren nur Auszüge des unerhörten Blödsinns, der jetzt seine Runde macht. Nach meiner Ansicht sollten die Urheber aufhören zu schwätzen und anfangen, Fantasieromane zu schreiben.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

29.09.2009 Dienstag
Der mysteriöse Anruf eines Freundes brachte mich ins Grübeln. Alexander Liebreich, Dirigent des Münchner Kammerorchesters, fragte mich am Handy, ob ich katholisch sei. Auf mein bejahen hin gab er mir zu verstehen, alles weitere sei nicht geeignet, am Telefon besprochen zu werden. Trotz äußerst pfiffigen Versuchen meinerseits, war ihm zu meinem Bedauern nicht der kleinste Hinweis zu entlocken. Er solle dann halt im Weinzelt vorbei kommen, schloss ich, da würde man mich die kommenden Tage mit Sicherheit antreffen.
Wo soll ich denn auch als Festwirt während der Wiesn sonst hin? Tatsächlich tauchte mein Freund, der Maestro, spät abends gegen 23.00 Uhr noch auf. Jetzt war ich wirklich gespannt und am liebsten hätte ich ihn noch vor der Begrüßung gefragt, was denn los sei. Schließlich ließ er die Katze aus dem Sack: Seine Frau und er wollten mich fragen, ob ich die Patenschaft für deren neugeborenen Sohn übernehmen wolle. Welche Freude und gewaltige Überraschung! Natürlich nahm ich das Amt des Taufpaten mehr als gerührt an.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

28.09.2009 Montag
Heute war ich aufgrund der neuen Sicherheitsbestimmungen etwas länger unterwegs, um zur Theresienwiese zu gelangen. Dabei hatte ich Zeit zum Sinnieren und fand es beruhigend, dass derartige Maßnahmen ergriffen wurden. Auch finde ich es richtig, dass die Wiesn nunmehr den gleichen Status hat, wie die Fußballweltmeisterschaft 2006 oder andere Massenveranstaltungen mit internationaler Ausstrahlung. Beispielsweise ein Überflugverbot für die Theresienwiese hätte man aus meinem laienhaften Verständnis heraus schon vor Jahren aussprechen müssen. Warum das nicht schon längst geschehen ist bleibt mir ein Rätsel. Davon abgesehen ist ein solches Megaevent inmitten einer Stadt nur unter äußerst erschwerten Bedingungen abzusichern. Vielleicht haben genau deshalb Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese vor 199 Jahren außerhalb der Stadt gefeiert. Sie konnten schließlich nicht ahnen, dass München um diese Wiese herumwachsen und eine für alle Beteiligten bequeme Absperrung nicht mehr möglich sein wird.

26.09.2009 Samstag
Allabendlich schmökere ich immer noch wenig im neuen Allgäukrimi, dem Bestseller „Rauhnacht“. Dabei fällt der Stress des Tages ab und ich tauche in die Welt des Kommissar Kluftinger ein. Alleine in meinem Wohnzimmer bin ich von der Handlung gefesselt und muss bei der Lektüre immer wieder laut lachen. Heute standen die beiden Autoren, Volker Klüpfel und Michael Kobr, vor mir. Zwei besonders sympathische Jungs mit Bodenhaftung und verschmitzem Allgäuer Charme. Ich lernte, dass man Kobr wie „Kober“ ausspricht, während man bei Klüpfel das „e“ weglässt. Sekunden später gewinnt man den Eindruck, der schrullige Kommissar Kluftinger sei ebenfalls anwesend. So erzählte ich, wie sich kürzlich Personenschützer vom LKA köstlich über mein Funkgerät amüsierten. Natürlich haben wir im Weinzelt keine Profigeräte, aber dafür kann man es zur Not auch als Babyphone einsetzen. Volker Klüpfel freute sich spontan, das könne auch ein echter „Kluftinger“ werden: Der Kommissar muss sich mit Babyphone statt Digitalfunk behelfen.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

24.09.2009 Donnerstag
Andi Werner schenkte mir eine dieser Wäscheklammern mit Brandbeschriftung. Statt meinem Namen hat er allerdings „da Chef“ darauf schreiben lassen. Ich habe mich aufrichtig darüber gefreut. Dann kam der erste Gast auf mich zu. Mit leicht anklagendem Unterton verlangte er, ich solle seine Spezeln ins Zelt lassen, wenn ich schon der Chef wäre. Ich erklärte ihm dann, dass ich doch derjenige sei, der aufgrund von Sicherheitsbestimmungen leider gezwungen wäre, eben nicht zu viele Menschen herein zu lassen. Kurz darauf kam der nächste und der übernächste und...
Ich habe wirklich keine Berührungsängste meinen Gästen gegenüber, aber ich kam mir zusehends vor wie Freiwild. Die Wäscheklammer mit „da Chef“ überreichte ich dann feierlich Erich Bauer vom Ofenkartoffelstand. Immerhin ist er ja auch so eine Art Chef in seinem Kartoffel-Reich. Als ich später mit ein paar Freunden zurück kam um etwas zu trinken, wollte mir Erichs Bruder gerade ein Glas einschenken. Erich drängte ihn jedoch mit einem breiten Grinsen und dem Kommentar zur Seite, den Herrn Kollegen bediene er persönlich. Dabei zeigte er auf die Wäscheklammer mit „da Chef“.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

23.09.2009, Mittwoch
Von Adabeis und echten Promis handelt der erste Wiesnmittwoch, wenn mein Freund Schorsch Dingler in die Hausbox vom Weinzelt zum Radio Gong Wiesnstammtisch einlädt. Hochkaräter, wie beispielsweise Elmar Wepper, folgen gerne dem Ruf vom Gong-Schorsch. Aber auch welche, die unbedingt auch dabei sein wollen: Gell, Schorsch, ich schau dann morgen vorbei, meinte so einer. Super, sagte Schorsch, aber komm lieber übermorgen. Ja, ja, kam prompt die Antwort, des macht Dir feil nix aus, wenn ich morgen komm! Darauf der Schorsch: "Oder komm noch besser nach der Wiesn." Da half alles Reden nichts und gestern kam er natürlich freudig, trotz sanfter Ausladung.
Aber das tat der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch. Endlich hatte ich auch einmal wieder die Gelegenheit, einen längeren Ratsch mit Monika Gruber zu halten. Natürlich rieb sie mir gleich wieder unter die Nase, ich habe vor Jahren mal zu ihr gesagt, sie sei zwar nicht schön aber lustig. Wer zwei Augen im Kopf hat, weiß natürlich, dass der erste Teil meiner Aussage ein Witz war und der zweite Teil wahr ist.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

22.09.2009, Dienstag
Ich war gerade auf einen Ratsch im Ofenkartoffelstand vor unserem Weinzelt, als ein nicht ganz alter und nicht übermäßig alkoholisierter Herr am äußersten Fenster einen Schoppen Federweißen bei mir bestellte. Aus einer spontanen Idee heraus sagte ich ihm, Getränke gäbe es beim nächsten Schalter. Der Herr ging also ein Fenster weiter. Ich sagte: „Grüß Gott, womit kann ich dienen?“ Er schaute mich mit einer Mischung aus Verblüffung und Unglauben an, bevor er einen Federweißen bestellte. Wie viel es kostet, wollte er dann wissen. Oh, sagte ich freundlich, Zahlen bitte am nächsten Schalter...
Später fand Gottfried Zemcks jährliche Einladung statt. Alles was am deutschen Schlagerhimmel schwebt, war anwesend und es wurde ausgelassen gefeiert. Ich habe mich unter die Fotografen gemischt und aus der dritten Reihe heraus ein wenig geknipst. Die Presseleute, die mich besser kennen, wissen von meinem Hobby. Andere haben sich ziemlich gewundert, was der Chef hier wohl mit der Kamera macht. Bewundern kann man das Ergebnis jedenfalls » hier.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

21.09.2009, Montag
Die Welt ist klein und es gibt keine Zufälle, oder doch? Gestern besuchte uns einer der Notärzte, die hier auf dem Oktoberfest Dienst tun. Ein wenig älter geworden ist er schon, aber ich habe ihn sofort wieder erkannt. Sein Medizinstudium hat er sich hier im Weinzelt als Kellner finanziert. Heute ist Boris leitender Stationsarzt einer Herzintensivstation. Er kam vor vielen Jahren aus Hamburg und wurde mit dem Ingolstädter Jurastundenten Robert in ein Team gesteckt. Die beiden sind noch heute Kumpels und Robert ist mittlerweile unser Anwalt und Freund geworden. Dann brachte Radio-Gong-Schorsch-Dingler einen Tiroler Freund und Brauereibesitzer in unsere Hausbox. Wenn wir ab und an mal in Tirol sind, hilft uns Rosmarie, die von der ganzen Familie heiß geliebt wird. Nach zwei Minuten stellt sich heraus, dass die Frau des Bräu wiederum die beste Freundin unserer Rosmarie ist. In diesem Zusammenhang fällt mir noch ein, wie einer unserer Kellner eine Breznverkäuferin im Weinzelt entdeckte. Sie war seine Halbschwester, die er 15 Jahre nicht gesehen hatte. Die Wiesn steckt voller Überraschungen.
Schau ma mal was morgen wieder los ist.

19.9.2009, Samstag
Hurra, es ist geglückt! Unsere Kutsche kam rechtzeitig vom Einzug der Wiesnwirte vor dem Weinzelt vorgefahren, was zwar häufig passiert, aber nicht immer. Einmal versuchte sich ein Bus als Straßenblockade, ein andermal leiteten uns auswärtige Polizisten zum Schützenzelt um und vor zwei Jahren ist ein Reifen geplatzt. Pünktlich um 12.00 Uhr mit den Böllerschüssen liefen Wein und Weißbier. Dann weiß der Wirt, dass alle Vorbereitungen erfolgreich waren. 250 Menschen ziehen an einem Strang und schaffen es wie jedes Jahr aus dem Stand heraus, ohne vorherige Trockenübung 3000 Gäste glücklich zu machen.
Nach zwei Stunden stellt sich bei allen das Gefühl ein, es habe nie eine Unterbrechung gegeben und man sei auch keine 348 Tage von der Wiesn weggewesen.
Zu späterer Stunde kam Florian Hoeneß auf mich zu und stellte mir Chris Boettcher vor, mit dem er bei uns feierte. Spontan und fröhlich sprang Chris auf die Bühne und sang mit der Högl Fun Band seinen aktuellen Hit „10 Meter geh“. Genau das zeichnet das Oktoberfest aus! Eben sitzt noch jemand ganz normal im Mittelschiff unter allen anderen und auf einmal springt er auf die Bühne und entpuppt sich als bekannter Entertainer, um anschließend wieder seelenruhig in die Münchener Wiesngemeinde einzutauchen; G’schichten, von der Wiesn geschrieben.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

18.9.2009, Freitag
Die häufigsten Fragen vor dem Oktoberfest lauten: „Was macht ein Festwirt vor der Wiesn, wie bereitet er sich vor und gibt es irgendwelche Rituale?“ Um es gleich zu sagen, der Wirt Stephan Kuffler bereitet nicht sich vor, sondern Kufflers Weinzelt. Es werden ganz unromantisch die Checklisten abgearbeitet, womit Frage eins auch gleich beantwortet wäre. Mit den Ritualen ist es schon etwas anderes. Zwar werden weder Hasenpfoten ausgepackt noch Glücksbringer gerieben, aber es gibt eine Sache, die für mein persönliches Oktoberfest von entscheidender Wichtigkeit ist: Die Auswahl der Lieder, welche ich auf dem Heimweg höre. Aktives Musikhören ist echte Entspannung und oft singe ich auch laut mit. Nach ein paar Tagen ist es meist nur noch ein Song, der die ganze Fahrt lang wiederholt wird. Letztes Jahr war es „standing in the rain“ von Al Green. Dieses Jahr hat „wild young hearts“ von den Noisettes eine reelle Chance mein Begleiter zu werden.
Am gestrigen Freitag war es dann endlich so weit: Die große Weinzeltfamilie ist wieder zusammen gekommen. Atmosphärisch entspricht dieser Tag einem Klassentreffen. Es wird sofort gescherzt und gefrotzelt. Wer hier dabei ist, kann gar nicht anders, als sich auf die kommende Wiesn zu freuen.
Dann schau ma mal, was dieses Oktoberfest wieder alles bringen wird.


2008


3.10.2008
Gegen Ende der Wiesn werde ich häufig nach dem Resumee der vergangenen zwei Wochen gefragt. Wenn das Wochenende erwartungsgemäß verläuft, kann man durchaus von einem erfolgreichen Oktoberfest sprechen. Die lange Zeit intensiver Vorbereitungsarbeiten hat sich rentiert und fast alle Gäste waren glücklich – einen generellen Heilsanspruch haben wir zwischenzeitlich abgelegt. Allerdings steht mir der unangenehmste Tag auf der Festwiese noch bevor, der Montag danach. Gäste, Bedienungen, Köche, Musikanten alle sind sie weg. Wo eben noch heitere Stimmung herrschte, machen jetzt die Handwerker mein Zelt kaputt. Dafür sind es aber nur noch 348 Tage bis zu meinem Lieblingstag, dem Freitag vor der Wiesn, wenn die ganze Weinzeltfamilie wieder zusammen kommt und sich gegenseitig in die Arme fällt.
Auch möchte ich mich herzlich beim Münchner Merkur dafür bedanken, dass ich endlich einmal dazu gezwungen war, die besten Geschichten des Tages zu Papier zu bringen.
In diesem Sinne, bis zur nächsten Wiesn.

30.9.2008
Also das mit dem Dasein als Wiesnwirt hat auch alles seine Vor- und Nachteile. Heute war es eher ruhig, auch abends am Eingang nachdem alle anderen Türen geschlossen waren. Als ich gegen Mitternacht zu diesem letzten verbliebenen „Gate To Heaven“ kam, stand nur noch eine Hand voll Nachtschwärmer davor, die man zu deren Selbstschutz nicht mehr guten Gewissens mit Alkohol konfrontieren konnte. Lustig waren sie trotzdem allemal und als sie meiner gewahr wurden, rief der Rottenführer: “Bist Du der Chef, der entscheiden kann, ob wir rein dürfen? Chef? Du Chef – ha? Chef?“ Sein Assistent kommentierte meinen Auftritt mit den Worten: „Schaut scho’ aus wia a Chef und g’wampert issa auch!“ Pech kann ich da nur sagen, denn bis zum letzten Satz hätte ich die Jungs beinahe hereingebeten, aber auch ein Festwirt hat Gefühle.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

29.9.2008
Csaba ist die ungarische Komponente in Bauers Ofenkartoffelstand vor dem Weinzelt und heute ist Csaba stocksauer. Statt der fertig geschnittenen Kräutlein hat sein Chef den Schnittlauch heute bundweise bestellt und Csaba war damit beauftragt ihn klein zu schneiden. Bei dieser Menge eine echte Sisyphusaufgabe, die einem Strafdienst gleichkommt. Ich verstand natürlich, dass Schnittlauch im Bund erheblich günstiger ist, doch zu meiner Verwunderung war das gar nicht der Grund. Vielmehr brauchte Erich Bauer, Oberkartoffel und nebenbei bemerkt Burgenländer, die Gummis mit denen der Schnittlauch zusammen gehalten wird um Fünf Euro Scheine zu bündeln. Solche Gummis gibt es sonst auf der Wiesn nicht, meinte er laut lachend. Also schnippelte Csaba missmutig vor sich hin und löste Bund für Bund vor dem Schneiden auf, die übrigens mit Schüren zusammen gehalten wurden.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

28.9.2008
Fester Bestandteil des Oktoberfestkalenders ist das Standkonzert aller Oktoberfestkapellen am mittleren Sonntag unterhalb der Bavaria. Gesponsert von den Festwirten und übertragen vom Bayerischen Fernsehen erfreut sich das Spektakel hoher Beliebtheit. Auch zwei Kapellen des Weinzeltes waren mit von der Partie, namentlich die Sumpfkröten und die Blechblos’n. Von beiden kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ihnen der Schalk im Nacken sitzt. Die Weinzeltstandarte hat dieses Jahr erstmals mein alter Freund und Weinzelttürsteher Schorsch getragen, den ich nach Beendigung des Konzertes vor mir her in Richtung unserer Festhalle dirigierte. Ich kann nicht genau nachvollziehen, an welcher Stelle wir falsch abgebogen sind, aber plötzlich rief der Blechblos’n-Anderl: „Hoid, hoid, mir samma falsch!“ Tatsächlich liefen wir nicht wie vorgesehen in der Gasse mit den anderen Musikanten und Wiesnwirten, sondern parallel dazu im Rücken der Zuseher. Die Lacher hatten wir einmal mehr auf unserer Seite, mussten uns aber auch der besorgten Frage eines BR Mitarbeiters stellen, der wissen wollte, ob das Weinzelt denn wirklich alles anders machen muss.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

27.9.2008
Es gibt sie also doch noch, jene Streithansl und Miesepeter, welche gut gelaunten Wiesnbesuchern die Stimmung verderben wollen. Ein Vertreter dieser Spezies war wohl der Meinung, Herr über alle Gänge zu sein, rempelte und fluchte, man möge ihm bloß nicht zu nahe kommen. Mein Hinweis, dies sei der falsche Ort, mindestens jedoch das falsche Zelt für diese Verhaltensweise ließ ihn unbeeindruckt. Vielmehr meinte er, alle anderen würden absichtlich ihre Schultern im Weg stehen lassen. Diese Fehleinschätzung ist auch als Geisterfahrersyndrom bekannt und nachdem alles gute Zureden nichts half, nahm ich ihn am Arm und führte ihn in Richtung Ausgang. Unangenehm war der Umfang des Oberarms, den ich mit zwei Händen gerade mal umfassen konnte. Dank zweier hilfreicher Ordner konnten wir den Herren allerdings ohne Probleme hinaus begleiten. Nur an der Tür, als er schon davor stand geschah etwas, das mir schon seit Jahren nicht mehr untergekommen ist. Plötzlich flog seine Faust durch den Türspalt auf mein Kinn zu! Sieg des Nüchternen über den Nichtnüchternen: Reflexartig zurück gezuckt spürte ich nurmehr ein leichtes Streicheln.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

25.9.2008
Täglich gegen 17.00 Uhr bin ich zu Gast bei Radio Gong in der Mike Thiel Show Spezial aus Kufflers Weinzelt. Heute war es besonders schön: Als ich ankam war gerade das Wiesnplaymate 2008, Alena Gerber, anwesend, die Mike gerade aufklärte, sie esse kein Fleisch außer Huhn. Für Mike war das die passende Überleitung zum einem gar lustigen Quiz, das er vorbereitet hatte. Alena wurden die Augen verbunden und nun musste sie die Speisen am Geschmack erkennen, mit welchen sie von Mike liebevoll gefüttert wurde. Zu meiner Verblüffung bekam sie als erstes ein Stück Wiener Schnitzel, das sie ganz gelassen kaute. Ihr Tipp war salziger Kaiserschmarrn, aber sie könne es nicht ganz zuordnen und letztlich sei ihr der Geschmack völlig unbekannt. Die Auflösung stieß erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe: „Was, Ihr gebt mir Fleisch?“ Der Rest wurde in die Tonne gespuckt, wo übrigens auch der zweite Gang in Form roher Austern landete.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

24.9.2008
Radio Gong 96,3 sendet seit mehr als 10 Jahren aus dem Weinzelt und genau so lange gibt es auch den traditionellen Gong Stammtisch. Geschäftsführer Schorsch Dingler, versteht es hervorragend Geschäftspartner und Freunde in gelungener Melange zu vereinen. Im Gegensatz zu vielen Pflichtterminen der Promis, sieht man hier fast nur lachende und fröhliche Gestalten. Dies liegt sicherlich nicht zuletzt an Schorsch, der in seiner unnachahmlichen Art die Gäste mal feixend, mal mit brutalster Ehrlichkeit in Bezug auf Aussehen, Ansehen oder allgemeines Dasein begrüßt. Fröhlich war auch Roberto Blanco, den ich dank ausgefuchstester Technik mit Camera ohne Blitz für unsere Home Page (www.weinzelt.com) ablichten wollte: „Bist Du gemein“, sagte er zu mir, „Du fotografierst mich ohne Blitz, da kann man mich in der Dunkelheit gar nicht mehr sehen. Der zweite Versuch einer Aufnahme mit Blitz ist auf unserer Home Page zu sehen – der Mann ist halt Profi und weiß, wie er in den Medien am besten herüber kommt.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

23.9.2008
Gottfried Zmeck, Tycoon des deutschen Schlagers und äußerst sympathischer Freund unseres Hauses, bittet alle Jahre die Crème de la Crème seiner Branche ins Weinzelt.
Als Hausherr ist es meine selbstgewollte Aufgabe, Herrn Zmeck und seine Gäste zu begrüßen. Und genau hier stoße ich an meine Grenzen. Natürlich heiße ich alle Gäste in unserem Zelt gleichermaßen willkommen, aber bekannten Persönlichkeiten sollte vermittelt werden, dass man um ihren Status weiß. Nun habe ich jedoch diese kleine Wortfindungsschwäche in Bezug auf Namen und muss selbst bei Freunden häufig meine Frau fragen: “Schatz, kennen wir den?“ Nachdem ich gehört hatte, Peter Kraus, Held meiner Elterngeneration, sei anwesend, war es mir ein Bedürfnis, hallo zu sagen. Mann, war ich überrascht, dass Peter Kraus jetzt in Gebrauchtwagen macht! Ich hoffe innständig, der freundliche Autohändler bemerkte auf Grund meiner Verschleierungstaktik nicht, dass er mit dem großen deutschen Rock’n Roller des 20. Jahrhunderts verwechselt wurde.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

22.9.2008
Auch Wiesnwirte haben während des Oktoberfestes Musestunden. Reichlich davon gibt es immer am ersten Montag, ganz besonders bei Regen. Also habe ich mir einmal die Zeit genommen, Michi und seine Högl Fun Band von allen Seiten zu fotografieren. Dafür hat man an anderen Tagen am späteren Abend nämlich keine Zeit mehr. Ein paar dieser Fotos habe ich auch auf unsere Home Page, weinzelt.com, gestellt. Auch hat man an diesem ersten Wiesnmontag Zeit, mit dem einen oder anderen Mitarbeiter zu ratschen und sich über die High Lights des vergangenen Jahres auszutauschen. Besonders gut kann man immer mit meinen Freunden aus dem Burgenland lachen. Die Jungs betreiben den Ofenkartoffelstand vor unserem Zelt und zeichnen sich nicht nur durch dampfend heiße, köstliche Ofenkartoffeln aus, sondern auch durch einen unglaublichen Spitzbubenwitz. Dass sie für den Eigenkonsum Bier aus Österreich mitgebracht haben, sei ihnen verziehen.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

21.9.2008
Traditionell ist der erste Wiesnsonntag eher ruhig. Allerdings standen auf Grund irriger Meldungen, Pamela Anderson plane das Weinzelt zu besuchen, die Zeichen schon im Vorfeld auf Sturm. Dir, liebes Tagebuch, kann ich es ja sagen: Daran geglaubt habe ich nie. Gekommen ist jedoch der adoptionsmutierte Herr Markus Prinz von Anhalt (seit 1918 sind Adelstitel Namensbestandteil, weshalb ich in diesem speziellen Fall gerne die eigentlich unkorrekte Anrede gebrauche). Nach eigener Verlautbarung kam Prinz Markus als Ersatz für Pamela, was ich an dieser Stelle nicht weiter kommentieren möchte. Wie auch immer: Prinz kam, seine Security benahm sich verhaltensauffällig, Polizei kam und begleitete die „hoheitliche“ Security vor die Zelttür, Prinz beleidigt, Prinz ging.
Schade eigentlich, sein Champagner blieb gut gekühlt zurück.
Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

20.9.2008
Das ist schon vollkommen verrückt: Irgendwie fehlen 349 Tage in meinem Leben, was ziemlich genau der Zeitspanne zwischen den beiden Wiesn 2007 und 2008 entspricht. Kaum sind die ersten Stunden des Oktoberfestes vergangen, hat man das Gefühl, nie weg gewesen zu sein. Ich muss allerdings gestehen, dass ich vor dem Anzapfen schon ein wenig Lampenfieber hatte, wie man bei Schauspielern sagt. Bei Wiesnwirten müsste es dann wohl Bierpanik heißen.
Unschön war heute das Erlebnis mit der netten Dame aus Köln, die bei seatwave.de über € 1.000,-- für drei Sitzplätze im Weinzelt bezahlt hatte, ohne eine Gegenleistung zu erhalten: Keine Verzehrgutscheine, keine Einlassbänder und eine Reservierung lag uns auch nicht vor. Zum Glück kam gerade mein Freund Charly von der Wiesnwache vorbei. Obwohl er schon Feierabend hatte, begleitete er, ganz Gentleman, die Ärmste zu seinen Kollegen auf die Polizeiinspektion und half ihr, Anzeige zu erstatten.
Schau ma mal, was morgen los ist.