Wiesn-Tagebuch 2018

Täglich exklusiv im Münchner Merkur: Das Wiesn-Tagebuch von Stephan Kuffler

Die Wiesn-Tagebücher der letzten Jahre finden Sie hier:
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Kufflers Weinzelt auf dem Münchner Oktoberfest


06.10.2018 Samstag

Noch ist es zu früh, ein abschließendes Resümee für die Wiesn 2018 zu ziehen, aber ein paar Fakten liegen schon vor. Mile aus unserer kalten Küche zum Beispiel ist sehr glücklich, weil er bis jetzt schon fünf Kilo abgenommen hat. Sein Bauch sei ihm vorher beim Schuhe zubinden im Weg gewesen und er habe dabei schon schlecht Luft bekommen. Oder wie er mit charmantem mazedonischem Akzent meinte: "Chef, habe ich morgens, wenn Stiefel fesseln Angst gehabt, meine Geist kommt zu die Hals heraus."

Für uns hier in Kufflers Weinzelt war es bisher mal wieder ein richtig schönes Fest mit viel mehr Familien und Kindern als in den vergangenen Jahren. Auch die Umsätze sind wieder besser geworden und das sage ich mit Stolz. Schließlich arbeiten wir das ganze Jahr auf diese 16 Tage hin und versuchen alles, um unseren Gästen nur das Beste zu bieten. Bleiben Sie uns also bitte gewogen und ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn es wieder heißt:

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Mehmet Scholl in Kufflers Weinzelt


05.10.2018 Freitag

Gerade ist Mehmet Scholl mal wieder zu Gast im Weinzeltgarten und produziert zusammen mit Achim Bogdahn deren gemeinsame Sendung „Schollplatten". Gesendet wird am Sonntag, den 7. Oktober, um 23 Uhr. Als Gäste hatten sie eine Dänische Polka-Combi namens Heidis Hosen. Diese machen Alpenmusik, teils auch auf die etwas andere Weise, wie zum Beispiel „Like A Virgin" im 3/4 Takt.

Mehmet und Achim haben auch schon letzte Wiesn eine Sendung bei uns gemacht und es freut mich sehr, dass es den beiden offenbar so gut gefällt bei uns. Bei Mehmet weiß ich das ohnehin, denn er ist während der Wiesn mein Gesundheitsberater, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Beispielsweise hat er mir jetzt das Skifahren verboten, nachdem ich mir vergangenen Winter eine doppelte Unterschenkelfraktur zugezogen habe. Ich sei zu alt dafür und er spiele ja auch kein Fußball mehr. Schon klar, aber ich verdiene mit Skifahren ja auch kein Geld!

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Oktoberfest München


04.10.2018 Donnerstag

Antje Schneider, Wirtin der Ochsenbraterei, erzählte mir fröhlich ihre liebste Wiesngeschichte. Ein großer Partner der Unternehmerfamilie fragte an, ob man ein Portrait über sie für einen Blog im Intranet seiner Firma machen könne. Ziel sei es, den Mitarbeitern die Kunden näher zu bringen. Antje stimmte natürlich zu und man gab sich viel Mühe, da es sich auch um ein ganz neues Format handele. Offensichtlich war der Blog mit Antje Schneider auch ein großer Erfolg.

Der Ansprechpartner des Unternehmens berichtete Antje, das Interview sei voll eingeschlagen und man habe sehr viele positive Kommentare erhalten, anders als bei ihrem Vorgänger. Hier habe es kaum Reaktionen gegeben. Antje war voll des Stolzes und wollte natürlich wissen, wen sie da so bravourös aus dem Feld geschlagen habe. Sie fühlte sich wahrscheinlich schon ein bisserl wie Angelina Jolie. Ihr Gesprächspartner lenkte rapide vom Thema ab und Antje musste richtig nachhaken. Der wenig kommentierte Konkurrent war ein Sarghersteller.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt - Nachspeise


02.10.2018 Dienstag

Immer wieder wird man als Wiesnwirt gefragt, ob es für das Oktoberfest einen Geheimtipp gebe. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass der Hausherr vornehmlich in seinem eigenen Zelt steht. Aber es gibt seit 2015 einen gastronomischen Betrieb, von dem man unter Münchnern immer mehr hört. Auf die Küche im Weinzelt sind wir recht stolz, aber es ist doch ein Unterschied, ob für 2500 oder für 360 Gäste gekocht wird. Und das hat Josef Able mit seiner Frau Claudia sowie seinen Söhnen Daniel und Sebastian voll raus.

Deren 24jähriger Haubenkoch tischt im „Goldenen Hahn" in einer Qualität auf, die in Bezug auf Geschmack und Raffinesse dem Vergleich mit jedem Stadtbetrieb standhalten kann. Besonders empfehle ich „das Hendl, sein Futter und das Ei" und noch mehr die Nachspeise: „Goldener Hahn-Spezial, im Ei serviert". Beides schmeckt außergewöhnlich köstlich und birgt Überraschungen. Dann noch ein Ratsch mit dem Wirt und man fühlt sich wie im heimischen Wohnzimmer, nur dass man nichts tun muss.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Bavaria, Theresienwiese


01.10.2018 Montag

Das war mal wieder ein würdiges Wiesnwochenende. Gott muss halt doch ein Bayer sein, bei diesem prachtvollen Wetter, welches uns für das Platzkonzert aller Wiesnkapellen beschert wurde. Hier bedanken sich die Wiesnwirte bei ihren Gästen für deren Treue und schenken ihnen ein unvergessliches Ereignis. Honoratioren der Stadt dirigieren die Kapellen unterhalb der Bavaria und man trifft sich hier in einer fast familiären Runde. Diesmal habe insbesondere ich mit Rudi Scharf, der in den 90ern Leiter der Wiesnwache war und inzwischen ein Freund ist, in alten Zeiten geschwelgt.

Als letztes wird die Bayernhymne gespielt. Zwar stammt sie aus dem 19. Jahrhundert, aber erst seit 1966 wird sie offiziell „Hymne" genannt. Übrigens ein sehr gutes Jahr, wie ich finde. Zufällig wurde der Autor dieses Tagebuchs in diesem Jahr geboren.
Wenn beim Platzkonzert am Schluss dann die Hymne gespielt wird und unendliche Ballons zum Himmel steigen, geht einem wirklich das Herz auf.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


29.09.2018 Samstag

Für auswärtige Gäste habe ich ein Training ausgearbeitet: Bestellen Sie sich eine Mass Münchener Festbier bei der Bedienung Ihrer Wahl. Nehmen Sie die Mass keinesfalls wie eine Kaffeetasse am Henkel. Vielmehr strecken Sie die Hand aus und führen sie zwischen Henkel und Krug. Nun kann der Krug gehoben werden. Keine Angst, die Mass kann nicht wegrutschen, weil der Henkel die Hand sichert. Heben und senken Sie Ihre Mass jetzt langsam und mit ausgestrecktem Arm bis zu zehn Mal. Das dient dem Aufbau kleinerer Muskelpartien, die üblicherweise nur ein Bayer braucht.

Nunmehr sind Sie soweit, dass Sie allen anderen Masstrinkern am Tisch vor dem ersten Schluck herzhaft zuprosten können. Zu diesem Zweck heben Sie den Mass an. Hierbei bilden Ober- und Unterarm beinahe einen 90 Gradwinkel, wobei der Unterarm ungefähr horizontal über dem Tisch steht. Jetzt schnellt der rechte Arm vor und zielt auf alle anderen Maßkrüge, welche sich ebenfalls aufeinander zubewegen. Der knifflige Teil besteht darin, die anderen Krüge möglichst hart zu treffen um zu zeigen, dass man ein echter Kerl ist. Es wäre natürlich völlig unbayerisch, den Krug zu zerbrechen oder gar das Bier zu verschütten.

Zuletzt folgt der „gute Zug". Die Mass wird mit ritueller Anmutung an den Mund gesetzt und unter tiefen Zügen genüsslich getrunken. Man sollte unbedingt vermeiden, der erste zu sein, der seine Maß wieder absetzt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Oktoberfest München


28.09.2018 Freitag

Manchmal finden während der Wiesn erzählenswerte Geschichten auch außerhalb der Wiesn statt. Gestern am späten Abend rief meine Frau an und fragte, wann ich denn nach Hause käme. Warum sie das heute wissen wolle, war meine Frage. Jedenfalls solle ich unter keinen Umständen das Licht in der Küche anschalten. Das verstand ich nicht wirklich und fragte nach dem Grund. Damit ich keinen Schlag bekäme.

Jetzt wurde ich aufmerksam und hakte weiter nach. Durch die Deckenspots laufe das Wasser vom darüber liegenden Zimmer in die Küche. Ich hätte im umgekehrten Fall das Gespräch ehrlich gesagt mit dieser Information angefangen. Nun musste ich natürlich auch wissen, wo um alles in der Welt das Wasser herkam. Grund sei der Wasserrohrbruch in der Fußbodenheizung, aber sie habe alles im Griff. Die Ärmste hat sich dann nachts zu jeder vollen Stunde den Wecker gestellt, um die Eimer zu leeren. Aber zum Wiesngottesdienst im Marstall ist sie trotzdem wie jedes Jahr gegangen.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


27.09.2018 Donnerstag

Nic hat als Jurastudent bei uns begonnen und heute ist er zugelassener Anwalt. Nach wie vor kümmert er sich aber um seine Gäste in Box 9. Als sich gestern jemand widerrechtlich an einen reservierten Tisch setzen wollte, meinte Nic, dass die entsprechenden Gäste gleich kämen und er deshalb den Platz freihalten müsse. Der Herr behauptete, er sei genau dieser Gast, wurde aber rasch der uneidlichen Falschaussage überführt. Darauf präsentierte er ganz wichtig seinen Anwaltsausweis und bestand aus rechtlichen Gründen auf den Sitzplatz.

Er konnte nicht ahnen, dass er an den einzigen kellnernden Anwaltskollegen im ganzen Weinzelt geraten war. So schnell konnte er auch gar nicht schauen, wie Nic seinen eigenen Anwaltsausweis zückte. Der Mann war völlig konsterniert und wusste nicht, wie ihm geschah. Aber Nic war großzügig und gestattete ihm, sitzen zu bleiben bis die Reservierung käme, vorausgesetzt, er nähme sein Lügenmäntelchen ab. So nennen Anwälte scherzhaft ihren schwarzen Talar, den sie üblicherweise vor Gericht tragen.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Ofenkartoffeln


26.09.2018 Mittwoch

Alkohol ist keine Lösung, oder doch? Also chemisch betrachtet kann ich es nicht beurteilen, will es auch gar nicht. Aber im übertragenen Sinne mag das schon ab und an zutreffen. Gestern habe ich mir eine schwere Verletzung am linken Mittelfinger zugezogen. Selbiger wurde beim Öffnen eines Schieberiegels an der Schwingtür unserer Gartenschänke eingezwickt und blutete wie eine angestochene Sau. Mit letzter Kraft schaffte ich es noch in Bauers Ofenkartoffelstand direkt daneben und flehte um erste Hilfe. Leider hatten sie kein Verbandsmaterial in dieser Größe greifbar.

Irritierenderweise wurde behauptet, so kleine Pflaster seien im Verbandskasten nicht vorgesehen. Mona erwies sich als Florence Nightingale des Oktoberfestes und erbarmte sich meiner: „So a Pflaster hamma net, aber an Schnaps kannt i dir drüber schütten." Erschöpft erwiderte ich, sie könne doch nicht immer alle Probleme mit Schnaps lösen. Da strahlte sie mich an und sagte: „Doch, weil meistens funktioniert's!"

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Löwenbräu


25.09.2018 Dienstag

Gestern war es grimmig kalt und die Bedienungen vom Löwenbräuzelt wärmten sich mit einem Kaffee an unserem Stand im Garten auf. Sie waren eingemummt wie zu einer Arktis-Expedition. Ich fragte scherzhaft, ob sie schon Eisbären auf dem Festgelände gesichtet hätten und bekam die schlagfertige Antwort: „Keine Eisbären, die sind vom Aussterben bedroht. Aber einen Haufen Pinguine hamma gesehen. Die sind alle im Schottenhamelzelt."

Dazu muss man wissen, dass die Bedienungen bei Schottenhamels wunderbar nostalgisch, wie Serviermaiden der vorletzten Jahrhundertwende immer noch in schwarz/weiß mit Häubchen, ausstaffiert sind. Der ausgesprochen praktische Hintergrund dieser Uniform war mir gar nicht bewusst: Schließlich frieren Pinguine bei solchen Temperaturen nicht... jetzt hör ich besser auf.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


24.09.2018 Montag

Auch beim Einzug der Wiesnwirte steigert sich der Organisationsgrad jedes Jahr nicht nur in Punkto Ablauf und Sicherheit zum Wohle aller Beteiligten. Die Winzer aus Sommerach sind echte Veteranen der Veranstaltung und begleiten uns seit vier Jahrzehnten. Man könnte also behaupten, dass sie schon alles erlebt hätten.

Umso überraschender kam heuer die Anweisung an die Sommeracher Weinprinzessin, welche das Tragen ihres Diadems während des Einzugs strengstens untersagte. Vollumfänglich hat sich uns dieser Vorgang nicht erschlossen. Aber am Sammelplatz wurde sie vehement darauf hingewiesen, dass sie ihr Krönchen abnehmen müsse. Man munkelt, es habe sich um Sicherheitsaspekte gehandelt. Die Ärmste war völlig verzweifelt, schließlich fiel ihre Frisur mit Diadem als Gesamtkunstwerk wüster Zerstörung anheim. In Kufflers Weinzelt angekommen setzte sie das Diadem wieder auf und es kam übrigens zu keinem sicherheitsrelevanten Zwischenfall.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

Kufflers Weinzelt


22.09.2018 Samstag

Schon wieder sind 346 Tage vergangen und seit einer Woche habe ich mein Büro ins Festzelt verlegt. Das ist auch gut so, denn trotz aller perfekten Vorbereitung gibt es immer noch viele Details zu regeln. Das Zelt steht und die Technik funktioniert. Davon konnten wir uns beim Richtfest überzeugen. Und dennoch ist man vor Überraschungen nicht gefeit. Bei einem der zahlreichen Rundgänge fiel uns beispielsweise eine ganze Sitzbank auf, die eben noch nicht da war. Wir reden nicht von einer Bierbank, sondern von einer massiven Eichenholzbank mit Rückenlehne.

Dazu sollte man wissen, dass alles im Zelt bis auf den letzten Sitzplatz genehmigungspflichtig ist. Schlaue Barkeeper fanden aber, es sei ungeheuer praktisch ein Bankerl mehr zu haben. Der freundliche Schreiner hat es auch flugs erledigt und uns traf der Schlag. Aber jetzt ist wirklich alles fertig, die illegale Bank ist wieder weg, und die Vorfreude auf morgen steigt.

Schau ma mal, was morgen wieder los ist.

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